In Englisch und Französisch war ich auf Fünf, aber dann auch noch Sozialkunde ... ein hartes Stück Arbeit, das alles aufzuholen und von den Fünfen runter zukommen dachte ich. Im zweitem Halbjahr der zehnten Klasse wollte ich auf jedenfall einen Realschulabschluß bekommen, sonst gibt’s ein paar links und rechts vom Stiefvater, was sich besonders gut tut, wenn er wieder gesoffen hatte.
Als wir dann nach den ersten drei Monaten auf Klassenfahrt gingen und ich fühlte, daß ich – um von den Fünfen runter zu kommen – eh wieder der Trottel vom Dienst war, da war ich der Verzweiflung nah. Was tun? Alle Fünfen hatte ich ausgerechnet bei der Klassenlehrerin, die eigentlich immer nett war ... nur konnte ich nie vernünftig mit ihr reden, es war seltsam. Immer wieder schien sie mich auslachen zu wollen, als sie begann zu grinsen und dann habe ich immer kehrt gemacht ... habe die Aussprache gekniffen
Die Zugfahrt nach Paris war lange und ich saß nur die ersten zehn Minuten im Abteil. Durch Zufall war die Klassenlehrerin genau in meiner Kabine und so verzog ich mich auf den Gang und stand nachdenklich Stunde um Stunde am Fenster. Eigentlich beobachtete ich nicht die Landschaft, sondern wie sie bildlich durch die Geschwindigkeit zerrissen und zerstückelt wurde ... jedenfalls war es für mich dieser Eindruck.
Sechs Stunden stand ich wohl schon im Gang, doch verließ ich nicht meinen „Stehplatz“, sondern wollte allein sein und niemanden haben, der sich bei mir bemerkbar machte, der mich an die Schule erinnern würde.
„Hey Jens, was stehst du hier schon stundenlang?“ fragte meine Lehrerin.
Ausgerechnet die mußte es sein. Was interessiert es sie was ich mache oder nicht? Ich schwieg erst, da sagt sie: „Du kannst ...“
„Ach lassen sie mich in ruhe.“ sagte ich recht laut und ging fünf Meter von ihr den den Gang entlang. Die drei Fünfen, sie waren wieder im Kopf ... im Vordergrund und die Gedanken Nummer Eins. Ich schlug mit der Faust mit voller Wucht gegen die Verkleidung des Zuges. Zum Glück ist das Blech recht dünn, sonst hätte es wirklich wehgetan dachte ich ... nur war es etwas laut gewesen und guckte in beide Richtungen des Gangs. Zwei Klassenkameraden warfen einen Blick aus ihren Kabinen und Lars fragte mich, weil ich wohl der einzige im bin den er hier sieht: „Was ist denn?“
„Was soll denn sein?“ fragte ich und tat unwissend, während ich weiter den Gang entlang gehe und im nächsten Waggon verschwinde. Ich setze mich auf einen der seitlichen klappbaren Sitze und sehe starr auf einen imaginären Punkt. Was soll ich hier überhaupt? Ich hätte lieber Zuhause bleiben sollen, als mir weiter diese Farce anzutun.
Als wir in Aachen sind, da steigen drei halbstarke eindeutige Faschos ein, gröhlen rum und laberten von ihrem Idol A.H., aber natürlich mußten auch noch Heil Hitler sagen, als sie an einem etwas dunkelgefärbten Typen vorbeigingen.
Sie wollten gerade zu lachen anfangen, wohl weil sie in Überzahl waren, da stand ich auf, guckte mit dem angestautem Streß der Schule so böse, wie ich mich wohl lieber nie sehen möchte und schrie los: „Hitler der jüdische Schwanzlutscher ist tod, wann begreift ihr es endlich. Der wird euch Gelegenheits-Wixern keinen mehr runterholen, um euer minderwertiges Möchte-Gern-Ariersperma in seinem Rachen entsorgen!“ Meine hart geballte Faust schnellte gegen den Sitz vor meinen Augen.
Sie schwiegen alle und sahen mich wie versteinert an, doch ich drehte mich wieder nachdenklich zum Fenster, ohne auf die mögliche Gefahr hinter mir zu achten ... die drei faschos. Leise aber verständlich sagte ich dann: „Wenn ich nicht versetzungsgefährdet wäre, dann würde ich euch raten, daß ihr in der Schule aufpaßt.“ Ich kniff die Augen zusammen und schlage – begleitet mit einem lauten „Verdammt!“ – in voller Depression gegen die Außenscheibe. „Scheiße, scheiße, scheiße ... verdammte Scheiße!“ schrie ich und schlug jedes Mal dagegen.
Ich war so voller depressiver Anspannung, daß ich nicht merkte wie ich an den vier ersten Knöchen nach dem Handrücken zu Bluten begann. Der mit der dunkleren Hautfarbe stand mit seinem Rucksack auf, während die Faschos verblüfft in Sitzen saßen und in meine Richtung starrten. Er kam auf mich zu und jetzt sah ich wie mich die drei Idioten ansahen: „Was glotzt ihr so? Wollte ihr eine Abreibung?“
„Los komm, bevor die Zugangestellten kommen und dich bei der nächsten Station absetzen, weil du die Scheibe beschädigt hast.“ sagte er, legte seinen Arm um mich und schob meine leeres Ich den Gang zurück. Meine Gedanken waren leer, doch fühlte ich den Wunsch zu weinen, denn die angestaute depressive Verspannung hatte sich gelöst und langsam wurde mir was eben gerade passiert war, als ich das Blut an der Hand sah ... wäre ich eine Gefahr für andere stellte ich mir die Frage. Allein schon die Frage ließ plötzlich Hass und Verachtung gegen mich entgegen schlagen, würde ich verrückt werden?
Ich zitterte und fing bei all diesen unbeantworteten Fragen an zu weinen, Tränen rannen nur so von den Wangen herunter. „Bitte sag niemanden etwas davon!“ flüsterte ich leise, während ich mir die Tränen aus den Augen wischte, doch es kamen schnell neue nach. Als ich drei Schüler und die Lehrerin im Gang stehen sehe, da wandte ich mich mit dem Gesicht zur Seite ab, doch die wachen Augen der Lehrerin war neugierig, warum ich in Begleitung eines fremden Mannes war.
„Ist was passiert?“ fragt sie unruhig.
Blitzschnell sagte ich: „Nichts ist passiert, rein gar nichts!“
„Hey, mein scheuer Retter vor den faschistischen Horden, sei nicht so bescheiden.“ sagte er und hatte mich verraten. Meine Tränen flossen wieder mehr und schienen nach seinen weiteren Worten „Wenn du Probleme hast, dann spreche dich bei deinen Freunden aus. Freunde hast du überall, die sich um dich Sorgen machen.“ gar nicht mehr aufhören zu wollen und ich sackte zu Boden. „Du warst mein Freund und hast dir Sorgen um mich gemacht, obwohl du mich nicht kanntest.“
„Laßt mich in Ruhe, verdammt.“ flüsterte ich im weinerlichem Ton. „Haut alle ab, sofort!“
Alle kamen gegen meinen Wunsch nur noch näher, doch der Mangel an Platz war nur das Pulverfaß, welches jetzt explodierte und ich schrie so laut ich konnte hysterisch: „Haut ab!“ Wie nach einem Schlag von Asterix nach Genuß des Zaubertranks fielen alle – soweit es der Platz im Gang zuließ – vor Schreck ringförmig mit entgegengesetzt zu Boden. Ich schreie sonst nie, nicht einmal wenn ich wütend bin und das kannte noch niemand an mir ... es war eine Überraschung für alle, auch für mich.
Sie wollten einfach nicht gehen sagte ich mir im Stillen und hämmerte mit meinem Kopf wie ein Autist gegen die Verkleidung, und mit jedem Schlag etwas mehr. „Wann geht ihr endlich? Ich will doch nur alleine sein!“ Ich kauerte mich am Boden so eng zusammen, jeder Problemlos an mir vorbei käme ohne jegliche Anstrengung.
„Der hat ja einen an der Klatsche.“ flüsterte jemand.
Ich sah in dessen Richtung: „Aber auch gute Ohren!“ Langsam schloß ich die Augen.
Nach zehn Minuten stand ich langsam auf und drückte mich an die Scheibe ... öffnete langsam die Augen.
In einigen Metern Entfernung hörte ich den Unbekannten: „Vorhin stiegen drei Faschos ein und fingen an zu pöbeln, was er mit einem Schrei im Keim erstickte. Seien sie bitte nicht nachtragend. Seien sie nett zu ihm.“
„Nett?“ fragte ich leise, dennoch hörbar. „Dann geben sie mir keine Fünf!“ Oh Gott, wieso läßt du mich schon selbst an diese verdammten Noten denken? Ich ging langsam den Gang entlang und machte mich mit verweintem Gesicht auf die Suche nach einer Toilette. Eigentlich wäre die wenige Meter in die andere Richtung gewesen, aber ich wollte mich keinen meiner „Freunde“ nähern ... wollte ich doch nur alleine sein und meine Ruhe.
Dann betrat ich den anderen Waggon mit den Faschos. Der Zug hatte kurz einmal gehalten, aber jetzt waren mehrere Passagiere im offenem Abteil und sahen mich an, auch die drei Faschos. Nein, nicht drei, es waren jetzt fünf. Waren zwei neu eingestiegen? Egal. So lange sie mich in Ruhe ließen.
„Das ist der Typ!“ flüstert jemand und ich drehe mich um.
„Wie du siehst habe ich gute Ohren.“ begann ich und fragte mit gespielter Freundlichkeit, dessen Verräter nur meine Augen sein sollten. „Soll ich deine Ohren noch einmal durchblasen wie vorhin? Vielleicht fallen mir auf die Schnelle noch angemessenere Worte für die Herrenrasse – die ihr ja zweifelsohne seid – ein? Wollt ihr es erfahren?“
Sie schwiegen, war auch besser so ... für mich. Wie sollte ich gegen drei bestehen können, geschweige jetzt bei fünf von denen?
„Fünf? Ist das alles nur ein Zufall, oder was? Drei Fünfen im Zeugnis, fünf Faschos ... fehlte nur noch, daß es Fünf Uhr ist, dann drehe ich vollends am Rad.“ sagte ich, ging weiter und bemerkte – als ich auf die Uhr sehen wollte – wie die anderen ebenfalls nach der Uhrzeit guckten. „Nein, keine fünf Uhr, welch ein Schwein gehabt!“
„Aaaah!“ schrie ich und schlug mit den in mehreren Faststößten gegen einen nahe verankertem Feuerlöscher, der durch die Wucht herausgerissen wurde und zu Boden fiel. „5 Uhr 55, für jede Fünf in meinem Zeugnis eine Fünf auf meiner Uhr.“
Ich sackte gefrustet zusammen und machte mich am Armband meiner Uhr zu schaffen, die ich dann abriß und wütend mit voller Wucht den Gang entlangschmiß. Ich sah wie die Uhr zum Liegen kam und jemand stellte sich davor, bäckte sich und hob sie auf. Meine verfolgten das Schauspiel und wanderten dann stumm ins Gesicht der Person ... es ist meine „liebe“ Lehrerin. Langsam kam sie den Gang entlang und näherte sich, als dann Stimmen zu hören waren.
„Oh, eine geile Uschi.“ sagte einer.
„Hier bei uns fünf ist noch Platz, na was ist?“ fragte ein anderer.
„Au, ja, das wäre...“ sagte ein Weiterer.
„Haltet eure Schnautze, das ist meine Lehrerin!“ schrie ich so laut ich konnte und selbst meine Lehrerin riß verschreckt ihre Augen auf. Ich stand auf und ging in ihre Richtung, wo ich nach wenigen Augenblicken stehenblieb und sah wütend zu dem Faschopack ... von einem zum anderen.
„Laß uns wieder zurückgehen, bevor du richtig durchdrehst und alles kurz und klein haust.“ sagte sie und ich guckte sie verwundert an, als sie mich wegzerren wollte. Ich war wie ein Stein, den man nicht aufheben konnte, weil dieser zu schwer war, doch sie zeigte auf die Scheibe.
Ich drehte mich zur Scheibe und verstand. Neben meinem Blut war dort auch noch die Scheibe mit vielen Rissen beschädigt. Auf einmal war ich ruhig wie lange schon nicht mehr, nur das Warum war mir nicht klar.
„Macht´s gut und werdet endlich vernünftig, sonst könnt ihr vielleicht nicht mehr zurück und Mensch werden.“ sagte ich. „Werdet Pazifist und helft wo ihr könnt einer humanistischen Gesellschaft, in der es wert ist zu leben.“ So ein Schwachsinn, wieso sollte man sich von 0 auf 100 vom Rassisten zum Humanisten wandeln?
Ich ging mit Frau Lehrerin zurück und setzte mich ins Abteil, doch starrte ich wieder aus den Fenster und schweigte. Nicht nur ich schwieg, alle anderen im Abteil auch, nur starrten sie mich lange an, oder bildete mir die verräterische Reflexion auf der Scheibe ein.
Wenig später passierten wir die Grenze und waren in Frankreich. Viele waren aus dem Häuschen, aber ich starrte weiter aus dem Fenster. Meine Lehrerin tauschte mit dem Mädchen, welche vor mir gesessen hatte und jetzt saß meine „Feindin“ vor mir, eben jene Person, die mir mit den drei Fünfen den Abschluß versauen konnte. Ich machte keine Reaktion darauf, daß sie jetzt vor mir saß und sah weiter zwanghaft aus dem Fenster.
„Geht ihr bitte einmal raus?“ fragt sie bittend die anderen vier, die kurz darauf aus dem Abteil gehen und die Tür zuziehen. Ach du Scheiße, was will die jetzt von mir? Sie zog den Vorhang zum Gang zu und keiner konnte hineinsehen und auch die Verriegelung war schnell vorgeschoben. Ich schloß die Augen und lehnte mich zurück ... tat einfach so als würde mich es in keinsterweise interessieren oder sie beachten.
Plötzlich küßte sie mich direkt auf den Mund, zärtlich ... ich genoß es zwar, aber erwiderte nicht. Sie ließ ab von mir und sagte: „Danke für deine Hilfe.“ Ich öffnete meine Augen und noch immer stand sie vor mir, ihre Brust – vom T-Shirt verhüllt – war vor meinen Augen. Sie fuhr fort: „Ich hatte schon die Befürchtung als Liebessklavin bei den Faschos dienen zu müssen.“
„Eins muß ich denen aber zugestehen.“ platzte es vorlaut aus mir heraus, ohne es weiter auszuführen, doch weckte es ihre Neugierde.
„Was meinst du denn?“ fragte sie sofort.
„Na, äh ... ach niii-chtssss.“ stotterte ich und guckte wieder aus dem Fenster.
Ihre Hand zerrte mich herum, so daß der eine den anderen ansah. „Was meinst du genau?“ fragte sie nachdringlich.
„Nein, das sage ich lieber doch nicht. Es war ein Fehler von mir.“ sagte ich schnell und verschränkte die Arme vor mir.
Sie fing an mich zu kitzeln und ich lachte. „Sagst du es mir endlich?“ drängte sie mich und drückte ihren Körper näher an mich um mir den Raum eng zu machen. Sie lachte über meine scheinbare Hilflosigkeit.
Ich zuckte am ganzen Körper, weil ich sehr kitzelig bin und schüttele mich wie blöd. „Stop, bitte hör auf.“
Sie hörte auf und fragte: „Oh, du dutzt mich jetzt sogar? Sag du es mir endlich was ich wissen will?“
„Sind Frauen eigentlich immer so brutal nachtragend?“ fragte ich.
Sie lachte nur leise und sah mich an, währen sich ihre links und rechts über meinen Schultern an der Wand abstützten. „Hey, nicht ablenken, sonst fange ich wieder an zu kitzeln.“ drohte sie grinsend, was sehr merkwürdig auf mich wirkte. Was passierte hier gerade? Fast fühlte ich mich hier bedroht, wenn auch nicht körperlich, sondern eher vom Kopf her, da gerade eine Flut ... ja eine Invasion der Gedanken auf mich einprasselte.
„Hey!“ schrie sie fast und ich erwachte aus meiner lethargischen Denkpause. „Denk nicht darüber nach, was du mir sagen sollst, sondern sag doch endlich, was du mir vorhin sagen wolltest. Bitte, das interessiert mich.“
Scheiße dachte ich. Die Klassenfahrt eigentlich erst begonnen und schon jetzt wird es mir zu viel. Dann sagte ich es doch leise zu ihr: „Den sehr guten Geschmack.“
Sie war verblüfft und wankte zurück, sagte aber rein gar nichts und setzte sich schließlich, während ihre Augen weiter schweigsam auf mich lasteten.
Was dachte sie wohl jetzt gerade? Egal! Ich stand auf, ihre Augen folgten mir den meinen und ich sagte: „Ich geh mal auf Toilette.“
Ich beeilte mich die Tür aufzumachen und ins Freie zu kommen ... irgendwie war dicke Luft in dem Abteil. Schnell im Toilettenraum schloß ich mich ein und stand vor den Spiegel ... dachte nach und dennoch konnte ich keine Sinnvollen Gedanken fassen, seltsame Gefühle schwirrten wie geisterhafte Schleier durch die sich gerade konkretisierende Gedanken, welche sie wieder zerschnitten. Die einzigen Gedanken, die ich fertig brachte und verbal auch hörbar waren folgende: „Verdammte Scheiße, was ist mit mir? `Mann´ [besonders laut] , was ist los?“
Der Zug wurde langsamer, die Station war irgend ein französisches Kaff dessen Namen ich nicht verstand und ich ging wieder raus ... ohne gepinkelt zu haben, aber eigentlich mußte ich ja nicht einmal. Dann stellte ich mich wieder in den Gang, aber einige Meter vor meiner Kabine.
Dann kam meine Lehrerin, nicht aus der Kabine, sondern aus der Weite de Gangs. Aber wieso?
„Wo bleibst du denn? Wir müssen hier umsteigen.“ sagte sie. „Los, hol deine Tasche und schnell aus dem Zug.“
Schade, wieso hätte der Zug nicht mit mir abfahren können, dann wäre ich die anderen erst einmal los gewesen. Ich ging in die Kabine und griff meine Tasche, die schon auf dem Boden stand und das auf dem Kopf. War sie denen zu schwer? Ja, sie war wirklich etwas schwer, naja. Wir gingen den Gang entlang zur Ausgangstür und sie stieg gerade aus, als der Zug schon langsam anrollte.
Ich zögerte und sah auf meine „Klassenkameraden“, wie sie zu mir sahen und wohl dachten `Ist der jetzt zu blöd zum Aussteigen?´ „Nun spring endlich raus.“ rief meine Lehrerin. „Sofort!“ schrie sie so laut sie konnte und ich erschrak. Der Zug war schon zwanzig Meter gefahren, aber dann sprang ich heraus und machte eine Drehung mit Ausfallschritt ... um den Schwung der Fahrt rauszubekommen und streckte mich dann.
„So ein Pech, da fährt der Zug und mit ihm die Ruhe dahin.“ sagte ich leise und bemerkte erst, als sich eine Hand auf meine linke Schulter legte, daß mich jemand gehört hatte ... ich drehte mich zu dieser Person um. Meine Lehrerin, ach, welcher Zufall aber auch, fuck!
Sie nahm meine Hand, was ich perplex mit mir machen ließ und dann flogen mir ihre Worte um mich, als wäre ich ein Ausverbrecher, auf dem sie aufpassen müsse. „Du kommst jetzt mit und bleibst immer in meiner Nähe, klar?“
„Ups.“ dachte ich etwas laut und sie sah in meine Richtung. Da hatte ich wohl mit meiner Schlußfolgerung nicht unrecht gehabt.
Sie zerrte mich solange hinter sich her, bis dann doch Mitleid hatte und folgsam war. Sie ließ mich sogar erst los, als wir wieder im Zug nach Paris waren und ich neben ihr saß. In dem französischen Zug gab es nur Zweierreihen und ich saß am Fenster, während sie mir den Weg versperrte. Ich konnte nur parallel zum Boden sturr geradeaus oder nach rechts, da war es aber egal ob nach oben oder unten ... tolle Aussichten. Wenn ich geradeaus, aber leicht nach unten guckte, da sah ich meine Lehrerin dennoch im linken Auge ... und somit war ich nicht allein, oder fühlte mich nicht so. Ich versuchte zu schlafen und lehnte mich rechts gegen das Fenster, nur das Ruckeln des Zuges nervte und hielt mich selbst vom entspannten Dösen ab ... also starrte ich gelangweilt geradeaus und sagte rein garnichts, obwohl ich mit ihr über die Zensuren sprechen müßte.
Sie sagte auch nichts. Vielleicht vermutete sie ja, daß ein falsches Wort alles wieder zur Eskalation bringen könnte oder so.
Dann stellte ich doch eine Frage: „Wieso der Kuß?“
Sie drehte ihren Kopf zu mir, das merkte ich deutlich, auch wenn es sichtbar war.
„Es war nur ein dankbarer Kuß.“ sagte sie ebenfalls sehr kurz und nicht weiter ausführend. Dann war wieder schweigen zwischen ihr und mir.
„Selbst der Filmkuß in einer Liebesszene dauert zu 90 % keine zehn Sekunden.“ fügte ich nach einer Weile hinzu und guckte wieder aus dem Fenster.
„Ich ...“ begann sie und wirkte so seltsam. „... entschuldige bitte.“ Dann war wieder schweigen.
„Es war ein schöner Kuß.“ versuchte ich ihr schlechtes Gewissen für diese Peinlichkeit zu nehmen. „Mein erster dieser Art.“ Ich lächelte entspannt in die Weite der vorbeiziehenden Landschaft.
Nach einer Stunde fühlte ich, wie sich ein Jucken gepaart mit wachsenden Schmerzen in meinen Händen bemerkbar macht und sich langsam ausbreitet. Klar, meine Wutausbrüche gegen lebloses Material, als ich im anderem Zug gewesen war. Ich ignorierte es.
Ich hatte es ignoriert, bis zu dem Moment, als ich – immer noch aus dem Fenster sehend – mit den Fingern der linken Hand über die Haut der Hand fuhr. Es war stark angeschwollen und mußte dringend gekühlt werden. Ich versuchte die Hände zu ballen, aber die Schwellungen – in der linken Hand nicht so stark – verhinderten es mit starken Schmerzen die Hände zu Fäusten zu ballen ... ich kniff meine Augen fest zusammen bei den Schmerzen. Ich habe meine Hände immer noch visuell begutachtet, doch sah ich zu meiner Lehrerin: „Darf ich auf die Toilette?“
Sie sah mich mit mürrischem Lächeln an: „Aber nicht wieder irgend einen Scheiß bauen, klar?“
„Klar!“ sagte ich kurz und wand mich an ihr vorbei, stützte mich mit den Händen an den Lehnen der Vordermänner ab ... stechender Schmerz fährt ins Bewußtsein, wieder kneife ich die Augen zusammen, mache aber schnelle Schritte an ihr vorbei und bleibe an meiner Reisetasche stehen. Einen Moment Pause vor den Schmerzen, nur wenige Sekunden sich sammeln und mentale Kraft tanken, um kommende Schmerzen ertragen zu können.
Dann endlich fühlte ich mich etwas besser und mache meine Tasche auf, um ein Handtuch zu suchen. Ordung in der Tasche war seit jeher eher nicht meine Stärke und so fluchte ich. Wieso mußte ich meine Klamotten auch immer im kompletten Paket zusammenrollen, nur um Platz zu sparen und mehr mitnehmen zu können? Ich erinnerte mich, daß die drei Handtücher ziemlich weit im Innern der Rolle war und daß der Aufwand hoch war diese herausholen zu können ... ich schloß meine Tasche wieder resignierend.
Ich überlegte und dann war mir klar: Ich muß die Liebste um ein Handtuch bitten, meine Lehrerin.
Langsam drehte ich mich zu ihr um und fragte: „Können sie mir ein Handtuch leihen? Ich komme an meins nicht so leicht ran.“
„Wieso das denn?“ fragte sie blöd, aber ich hätte wohl die gleiche Frage gestellt. Ich drehte den Kopf weg und hielt ihr meine zwei Hände hin, denen ich versuchte die Form einer Faust zu geben.
„Oh Gott, das sieht ja schlimm aus.“ flüsterte sie und holte ihre Tasche unterm Tisch hervor, um mir schnell ein Handtuch zu geben. Gedankenverloren kramte sie in ihren Sachen und nur kurz waren meine Augen neugierig, um in ihre private Sachen zu gucken.
Nur dieser eine Blick hatte gereicht um ihre kleine Auswahl an Bhs, Strings und sonstiger erotischer Auswahl an Unterwäsche zu sehen – schnell guckte ich in eine andere Richtung. „Entschuldigung.“ flüsterte ich leise.
Dann reichte sie mir, als ob sie meine geflüsterte Entschuldigung nicht gehört hätte, das Handtuch. Nein, sie stand im Moment als ich es nehem wollte auf. „Los, ich komme mit.“ sagte sie leise und ich ging vor.
„Da haben sich wohl zwei gefunden!!?!!“ flüsterte einer meiner Klassenkameraden und andere lachten laut auf, deren weitere Lacher zum Anstecken befähigt waren. Wie peinlich. Wäre ich doch niemals in den Zug eingestiegen! Jetzt wird das ewig an mir haften bleiben, bis ich meinen Schulabschluß hatte ... und mit viel Glück könnte ich es auf drei Monate begrenzen, doch diese Hoffnung hegte ich leider nicht.
Dann standen wir vor dem Klo und ich sagte: „Da gehe ich aber nur alleine rein, klar?!??“ Ich öffnete gerade die Tür, da erwiderte sie: „Sei doch nicht kindisch, ich helfe dir und schon drängte sie mich in die kleine Toilettenkabine, die schon für eine Person sehr eng ist und man aufpassen muß wo man mit den Füßen bleibt.
„O Gott.“ sagte ich leise genervt. „Ich bin kein kleines Kind mehr, ja?“
Ich setzte mich auf den Klodeckel, während sie das Handtuch entfaltete und ich kurz lesen konnte, was darauf stand und las es leise: „Ich leg dich flach und mich auf dich!“ Sie drehte mir den Rücken zu und befeuchtete das Handtuch mit Wasser. Oh, und dann auch noch diese vielen Herzen auf dem Handtuch dachte ich, während sich mein Gesicht zu ihr wandt und ihr Hintern nur zehn Zentimeter vor mir war, knapp unterhalb meines Kinns. Ich schnoß meine Augen und atmete durch die Nase ein, nahm ihren körperlichen Geruch geduldig und in sämtlichen Facetten in ihrer Gesamtheit in mir auf.
Mehrere Male durchflutete ich die Nase mit ihrem Geruch und flüsterte dann leise: „Du riechst gut.“ ... ohne nachgedacht zu haben und fragte mich dann – wieder bei Verstand – was mache ich hier eigentlich?
Sie drehte sich um und lächelte auf mich herab: „Welche Hand zuerst?“
Plötzlich klopfte heftig an die Tür, daß uns schreckhaft zusammenzucken ließ.
„Was machen sie da drin?“ fragte eine tiefe männliche Stimme. „Kommen sie sofort heraus.“ Er wartete kurz. „Sofort!“ wiederholte er streng.
Ich schwieg vor Scham und meine Lehrerin stotterte fast: „Wir sind gleich fertig, einen kleinen Moment.“
Ich glaubte ein leises „Euch werd ich´s zeigen, die Toilette im Zug ist doch kein Bordell!“, doch ich erwiderte es nicht und guckte nur nervös zur Tür bzw. zu ihr auf, die gerade das Handtuch um meine Hände wickeln wollte, als plötzlich der Zug anhielt. Er bremste aber so scharf, daß meine Lehrerin mir immer näher kam und sie ihren Halt verlor. Blitzschnell gingen meine Hände an ihre Hüften und versuchte sie auf Abstand zu halten, aber es schmerzte in den Händen. Sie drückte immer mehr gegen mich, ihre Hände legten sich auf meine Schultern, als ihre Beine an Halt verloren und sich in den knieen beugten.
Sie kam immer weiter herunter, doch meine Hände verharrten auf gleicher Höhe und verirrten sich unter ihrem schlaffen Pulli ... bis auf den Daumen, der draußen blieb. Langsam schob sich ihr Pulli immer weiter nach oben – es wirkte für mich wie in Zeitlupe –, ihre Brüste waren gefährlich nahe an meinem Gesicht und ich schloß einfach meine Augen, als ich merkte, daß es meine Hände nicht mehr aushielten sie zu stützen. Sie fingen nur noch ihren Fall ab und dann waren meine Hände unter ihren Achseln ... und ihr Busen drückte sich langsam an mich ... an mein Gesicht. Dann kam eine leichte Kurve und sie schien seitlich abzudrifften ... meine Arme umschlungen sie und ihre Arme beugten sich fast anschmiegsam an mich. War das alles nur Einbildung?
„Euch werd ich helfen!“ schrie der Angestellte der französischen Bahn und öffnete die Tür mit einem Spezialschlüssel. Neben ihm guckten noch einige meiner Mitschüler um die Ecke und sahen uns zwei in einer verfänglichen Situation in dem Klo, wo eigentlich nur Platz für eine Person wäre, doch wir hatten gewagt es zu zweit zu betreten und waren mißtrauisch beobachtet worden. Sie auf meinen Oberschenkeln mir zugewandt sitzend, während ihre Arme gebeugt an mich gedrückt waren, ähnlich dem wie man es von einer liebenden und träumenden Frau im Film oft sieht, ... da sind meine sie umschlingende – eigenlich nur festhaltende – Arme, die ich langsam zurücknahm auch nicht gerade förderlich.
„Seht euch die beiden an!“ sagte Michael. „Wirklich allerliebst, schade daß ich meine Kamera nicht dabei habe.“
„Wartet, ich hole schnell meine.“ sagte jemand und das war der Moment, um die Beweise zu zerstreuen und vom Tatort zu verschwinden.
Ich sah ihr ins Gesicht, aber sie wirkte verstreut: „Steh auf, so dürfen sie uns nicht fotografieren!“ Langsam klarten sich ihre Augen auf. „Schnell!“ Wiederholte ich und versuchte sie von mir zu drücken.
„Beeil dich, die sind gleich raus!“ rief Michael laut.
Meine Lehrerin stand auf und drückte sich zwischen ihren neugierigen Schülern hindurch, ohne auch nur ein erklärendes Wort zu sagen.
„Und ihr? Laßt ihr mich endlich meine Hände in ein nasses Handtuch wickeln?“ fragte ich und hielt meine Hände zu Fäusten geballt sichtbar zu ihnen hin. Sie wichen etwas zurück und ich schloß die Tür ab. Das edle Handtuch vom Boden aufgehoben wusch ich es vom Dreck des Bodes dreimal durch und wickelte es um meine rechte schlimmer gewollenere Hand.
Schließlich guckte ich kurz in den Spiegel und überlegte mir Worte, die ich den sicherlich gleich kommenden Fragen erwidern könnte, doch fiel mir nichts Sinnvolles ein ... also lies ich es drauf ankommen, öffnete die Tür und betrat das Schlachtfeld kommender Verbalattacken. Es waren nur zwei zu sehen, welche die ganze Zeit ausgeharrt hatten und ich ging den Weg zu meinem Platz. Wie würden die eigentlich reagieren, wenn ich mit übertreibungen antworten würde? Dieser Gedanke amüsierte mich und brachte immer stärkerwerdende Neugierde mit sich. Ob ich es wagen sollte?
Ich kam an meinen Platz und sie saß jetzt am Fenster ... starrte in die Ferne. Leise flüsterte ich ihr ins Ohr: „Hey, das kriegen wir wieder hin ... nur richtig schön übertreiben und dick auftragen.“ Sie regte sich keinen Zentimeter.
Kaum waren fünf Minuten vergangen, da kamen die ersten Zwei und standen im Gang.
„Na und wie war es?“ fragte Michael neugierig.
„Wie es war?“ fragte ich. „Was meinst du denn?“
„Naja, ihr ward doch zu zweit auf der Toilette.“ fügte Michael seiner Frage mehr Infos zu, die uns in eine bestimmte Richtung lenken sollten.
„Hm... zu zweit auf so einer kleinen Toilette, wie sollte es dort schon sein?“ fragte ich. Ich sah zu meiner Lehrerin. „Wie fandest du es da?“
Sie sagte nur ein Wort: „Eng.“ Sie fing an leicht grinsen.
„Ihr habt dort sicherlich nicht nur gesprochen, oder?“ fragte Michael langsam unsicher werdend.
„Nein, sicherlich nicht. Mein Schatz befeuchtete das Handtuch [ich hielt meine rechte Hand, die damit eingewickelt war hoch] eingewickel.“ sagte ich und wand mich meiner Lehrerin zu. „Schatzi? Kannst du das Handtuch bitte auch um die linke Hand wickeln?“
Sie grinste: „Natürlich, mein Herzblatt. Sie schön sanft und weich bleiben, damit wir wieder [sie sah zu den Zweien hoch] ... naja ihr wißt schon.“ Sie lachte und steckte mich an.
„Gebt es doch einfach zu, daß ihr es getan hab.“ sagte Lars, der andere der neben Michael stand.
„Ja genau.“ stimmte er mit Lars überein.
„Du nimmst doch die Pille, oder?“ fragte ich meine Lehrerin und war gespannt, in welche Richtung diese ... unsere Geschichte lenken würde.
„Nein, wieso?“ sagte sie und lachte immer noch, ihre Augen glänzten vor Neugierde und lauschte meinen Worten.
„Oh, scheiße. [tat ich übertrieben überrascht] Habt ihr es gehört?“ fragte ich leise. „Ich glaube ich werde bald Vater werden.“
„Herzblatt, komm laß mich deine schweißbedeckte Stirn abwischen ... du stinkst ja so nach dem Schweiß unser gemeinsamen ... äh Liebschaft.“ sagte sie lachend, drehte sich weit zu mir um, damit sie mit ihrem rechten Ärmel über meine eigentlich vollkommen trockene Stirn wischen konnte. Mit der linken Hand hielt sie sich an der Lehne zwischen uns fest und ich sah leicht nach unten, wo sich ihre Brüste betonten. Ich sah wieder schnell geradeaus, denn das schickt sich nicht, dennoch sagte ich mir: `Ich liebe meine Lehrerin! Ich liebe meine Feindin, die über meine Zukunft entscheidet!´
Lars und Michael hielten ihre Nasen nahe an meine Stirn, aber schlußfolgerten, daß wir nicht miteinander gefickt haben könnten. „Ihr habt es nicht getan!“ sagten beide gleichzeitig.
„Ach, wie kommt ihr denn auf diese darauf?“ fragte ich strohdumm wirkend.
„Du hast nicht den Geruch von Schweiß, den man nach dem Sex immer hat.“ sagte Michael.
„Wieso das denn? Woher weißt du das?“ fragt meine Lehrerin lachend und fast wirkte es so als würde es alles doch so wirken als wäre es passiert.
„Wir äh ... haben es in äh ... Doku-Filmen ... äh gesehen.“ sagte Lars leise. „Michael, laß uns gehen, die beiden verarschen uns doch nur.“
„Doku-Filme?“ fragte ich sarkastisch. „Ich glaube du meinst ... Pornofilme, oder?“ Es kam nichts mehr von den Zweien über die Lippen und alle lachten über letztgenannte Worte laut auf, ebenso andere die der deutschen Sprache mächtig waren und eine besonders ... meine Lehrerin.
„Das war geil!“ flüsterte sie mir zu und lachte immer noch.
Das eigene Lachen hatte mich angestrengt und ich flüsterte leise: „So, jetzt muß ich aber versuchen mich zu entspannen, ist ja auch ganz schön anstrengend so ein fic.....“ Ich lehnte mich zurück und schloß die Augen. Während der nächsten drei Stunden Fahrt hatte ich kein einziges Mal die Augen geöffnet, aber ich glaubte beobachtet zu werden ... ja, irgendwo war so etwas wie eine Anspannung, die mich nervös und kribbelig machte, doch spann ich im Kopf verschiedene Situationen durch. Ja, diese was-wäre-wenn-Spiele ... nein dachte ich und schüttelte den Kopf, denk einfach an nicht, sonst wird es nur peinlich.
