Der erste Tag
Ich gehe in einer fernen Zeit, die nie mehr kommen wird wie ich gedacht habe, aber ich habe mich geirrt. Durch aufeinanderfolge merkwürdiger Ereignisse bin ich in einer Zeit gelandet, wo es viele Unterteilungen von Rechten gibt; eine schiere endlose Kette von noch so penibel unterschiedenen Hierachien. Männer haben mehr Rechte als Frauen, welche viele Männer wie Leibeigene und Sklaven halten. Dann haben nicht etwa Reiche mehr Rechte, sondern die ihr Reichtum in sich selbst beschützende Truppen investieren und auch weiter unterhalten können. Ein Adelstitel bringt eher wenig, wenn gleich mancher Adlige Lehnsherr bei einer Heirat in ihrem Bereich die Zukünftige als erste ins Bett zerren. Schreckliche Vorstellung es hier erleben zu müssen, was man zufällig in Filmen mitbekommen hat,daß es so etwas gab, und jetzt hier wahrhaftig das Leiden erleben müssen ... grausam.
Das Land hat sich sehr stark geändert. Mehr Wälder und Sümpfe als Felder und Lichtungen. Eigentlich sind die Städte die relativ sicheren Orte, wenn man nicht negativ auffällt, extrem häßlich oder einer bestimmten Religion angehört – mit etwas Geld kann man natürlich auch Schutz kaufen, welcher aber zweifelhaft und oft nur von kurzweiliger Dauer ist. Die Landschaft hat aber etwas von der Form meiner Zeit, an der ich mich etwas orientieren kann, wenn ich nicht soweit von meiner Heimatgegend entfernt wäre. Also meine Landkenntnisse kann ich also auch vergessen.
Ich hoffe es macht kein Problem in dieser Zeit, weil mit meinen immerhin 1,89 überrage ich sehr viele mit fast zwei Köpfen; in dieser Zeit gelte ich als Riese und muß zwangsläufig auffallen. Also versuche ich mich soweit es möglich ist zu verstecken, aber alleine kann ich in dieser Zeit nicht lange überleben – ich brauche Werkzeug und Hilfe, also echte Freunde. Das Einzige was ich habe sind die Kleidung an meinem Körper: Schwarze Jeans, ebenfalls schwarzen Slip und gleichfalls schwarzes T-Shirt ... jaja, ich weiß, angezogen wie für eine Beerdigung ... ich hoffe nicht für meine eigene – dann noch meine schneeweißen Socken, die nicht lange so bleiben werden ... ich habe ja nur dieses eine Paar und dann schließlich meine Sportschuhe, allerdings nicht mehr im besten Zustand,aber vielleicht fallen die dann wenigstens so auf ... die sind auch Schwarz. Was habe ich noch? Mein Portemonae mit paar Münzen und 180 Euro in Scheinen, die hier nicht die Bohne wert sind. Eine EURO-Checkkarte, ein Personalausweis ... natürlich mit Bild, eine Karte für das Versenden von Briefen und Paketen, einige Briefmarken und das tollste ... die Hausschlüssel meiner noch nicht gebauten Wohnung. Naja, hat auch sein gutes, dann kann ich mir noch Zeit lassen mit dem abwaschen und Wegbringen der Pfandflaschen bzw. Joghurtgläser,welche nicht gerade wenig sind.
Es dämmert, also suche ich mir eine weiche und trockene Unterlage als Schlafplatz. Ich lege eine windgeschützte Ecke mit Moos und Ästen weichen Birkenzweigen aus. Ich ziehe meine Hose aus, lege sie zusammengelegt neben mich und lege mich hin, es ist ... ja, ganz angenehm und ich decke mich mit einigen Zweigen zu.
Meine erste Nacht
Ich wache auf und merke wie etwas an meinen krabbelt, nicht einer oder zwei, nein eine ganze Armee und ich springe schreiend auf. Meine Hände kratzen die Ameisen oder was auch immer von meinen Beinen. Ich hasse Ameisen und das waren wohl die riesigen Waldameisen. Ich nehme meine Hose, ziehe sie an und gehe ein ganzes Stück weiter. Als ich das Heulen eines Wolfes höre bleibe ich ängstlich stehen. Um mich herum ist nichts zu sehen, aber ich klettere drei vier Meter einen Baum hinauf und lege mich auf einen starken Ast. Hoffentlich kommen hier keine Ameisen hoch denke ich bei mir.
Es ist irgendwie eine schöne Nacht. In der Ferne ist der beinahe volle Mond und ich sehe ihm nach, um mich abzulenken und die Furcht zu verlieren. Plötzlich sehe ich Spiegelungen und weiß daß dort ein kleiner See sein muß. Morgen werde ich in ihm baden und mich waschen nehme ich mir vor. Irgendwann döse ich ein.
Der zweite Tag.
Die Sonne geht auf und wenige Wolken am Himmel kündigen einen sonnigen Tag an. Ich öffne die Augen und bevor es mir einfällt, daß ich auf einem Ast fast vier Meter über dem Boden bin, rutsche ich mit meinem Oberkörper runter. Meine linke Hand hält sich fest, aber sie ist ebenfalls die schwächere. Als meine Füße nicht mehr die Ausdauer haben um den starken Ast zwischen sich zu klemmen, hänge ich nur noch an der linken Hand. Alles ging so schnell und als meine rechte Hand versucht an den Ast zu kommen, merke wie schlecht ich geschlafen haben muß ... mein ganzer Körper ist voller Schmerzen. Ich versuche mich hoch zu schaukeln, was eine große Dummheit ist, weil knapp bevor ich mit der rechten Hand den Ast zu fassen kriege ich mit der linken der Rundung des Astes herunterrutsche. Ich falle längs mit angewinkelten Armen zu Boden und ein kurzer lauter Schrei: „Aaaaahhh!“ drängt sich durch meinen Mund. Am Boden habe ich Atemnot, nicht weil die Luft schrecklich wäre, aber der Sturz aus der Höhe hat meine Lungen zusammengedrückt und für eine halbe Minute röchele ich vor Schmerzen nach Luft, bevor sie langsam wieder verschwinden ... fast. Noch immer schmerzt es beim Atmen – auf allen Vieren stehend versuche ich zu entspannen und zu beruhigen.
Nach ein paar Minuten stelle ich mich auf und die Schmerzen sind fast weg – ich sehe auf den kleinen See in dem das Licht die unmittelbare Umwelt und den Himmel mit wackelnden Bewegung durch die Wellen reflektiert. Ich will baden und fange an mich auzuziehen. Als ich im schwarzen Slip da stehe, höre ich plötzlich Geräusche von Eisen und dumpf klingendem Holz. Reflexartig greife ich meine Kleidung und springe in ein Gebüsch.
„Scheiße!“ sage ich laut ... etwas zu laut. Wieso muß es auch ein Dornenbusch sein – sofort springe wieder mit einem Satz in eine andere Richtung aus dem Gebüsch und stehe auf einem Weg. Für die Verhältnisse meiner eigenen Zeitepoche würde ich Feldweg dazu sagen. Zehn Meter rechts von mir sind mittelalterliche Soldaten in lederner Rüstung mit Holz und Eisenverstärkung.
„Halt, bleibe er stehen!“ sagt einer auf einem Gaul.
„Wie groß er ist!“ sagt einer vom Fußvolk und guckt mit großen Augen zu mir.
Ich laufe so schnell ich kann in die andere Richtung, mit meiner Kleidung und den Schuhen in beiden Händen.
„Hoffentlich folgen die mir nicht!“ flüstere ich leise zu mir selbst, als ich keinen mehr sehe ziehe meine Hose an und schlüpfe in meine Laufschuhe. Ich will sie gerade zubinden, da höre ich ein donnerndes Geräusch ... wie ich vermute das eines galoppierendes Pferdes. Ich stelle mich versteckend hinter eine dicke Eiche und versuche schnell meine Schuhe zu zubinden ...mit Extraknoten, damit es beim Laufen nicht wieder aufgeht. Das Donnern wird lauter, aber ich bleibe immer noch hinterm Baum und ziehe mein T-Shirt über. Ich höre das Schnaufen des Pferdes,das sich angestrengt in meine Richtung bewegt.
Ich sehe hinter dem Baum vorsichtig hervor und erblicke meinen Verfolger. Als er bis auf gut sechs oder sieben Meter an meinem Baum herangekommen ist springe ich hervor und strecke meine Hände vor dem Pferd in die Höhe. Das Pferd, für damalige Verhältnisse sicherlich riesig, aber für meine Zeit ein Zwischending zwischen Pferd und Ponny, es scheut und wirft den wütenden Reiter runter. Das Pferd auf den Hinterbeinen geht rückwärts und trifft schmerzvoll des Reiters Wadenbein vom linken Bein.
Er schreit auf vor Schmerz: „Aaaaahhh. Bleib stehen.“
Ich nehme meine Hände runter und rede beruhigend auf das Pferd ein. Als ich mich etwas kleiner mach, etwas in die Hocke und es in seine Augen schaue wird es gleich viel ruhiger.
„Du hast doch keine Angst vor mir?“ sage ich leise und freundlich. „Komm zu mir, ich tue dir nichts Schlimmes. Großes Ehrenwort, Versprochen!“
Ich beuge mich leicht vor zu ihm, strecke ihm mit dem Handrücken nach oben meine Finger entgegen. Neugierig kommt er näher und will fast reinbeißen, schnappt danach. Blitzschnell ziehe ich meine Hand weg.
„Woher kommst du Wicht?“ fragt er herrisch und immer noch sehr wütend.
Ich sage nur: „Eigentlich komme ich von hier.“
Ich stopfe jetzt ruhig meine schneeweißen Socken in meine Hosentaschen und er sieht das.
„Seltsame Kleidung die du trägst, niemand in dieser Gegend trägt so etwas.“ sagt er etwas ruhiger werdend. „Ein schönes Weiß!“
„Danke, aber lange wird es nicht so weiß bleiben, leider.“ erwidere ich. Seine Männer kommen aus mehreren Richtungen auf mich zu, nur eine Richtung ist offen die ich zur Flucht nutze.
„Tschüß! Ich muß dann weiter, bevor noch umkomme vor Freundlichkeit eurer Mannen.“ sage ich leise und laufe so schnell ich kann in die freie Richtung.
„Fangt ihn ein, aber ich will ihn lebend. Wer ihn tötet hat sein Leben verwirkt!“ ruft der Führer der Gruppe.
Plötzlich laufen alle auf mich zu, aber auch wenn ich in meiner Zeit ein mittelschneller Läufer bin, so ist es hier sehr schnell ... nur zwei von vielleicht zwanzig Männern können mir folgen, wenn auch der Abstand langsam wächst. Als mir auffällt, daß die Gegend sich immer mehr eines Sumpfes gleicht werde ich langsamer und setze meine Füße immer nahe den Bäumen hin, die Wurzeln stark sind. Mit den Händen an den Bäumen hangelnd laufe oder springe ich immer weiter in den Sumpf ohne mich umzusehn.
Plötzlich schreit einer der Beiden: „Hilfe, helf mir! Bitte helf mir.“
Ich drehe mich um und in gut 15 Meter Entfernung sehe ich einen der Beiden, wie er knietief weit von Bäumen oder Wurzeln entfernt an einer sumpfigen Stelle langsam versinkt.
Der andere überlegt und hält sein Schwert hin.
„Bist du von Sinnen? Soll ich verblutend im Moor den Tod finden?“ schreit der in Gefahr befindliche.
Ich gehe näher zu den Beiden, immer ein Auge für festen Boden unter meinen Füßen. In drei Meter Entfernung sehe ich zu ihnen und plötzlich stürmt der andere auf mich zu – er will meine Arme packen. Nach einem langen Handgemenge aber schnellt meine Faust an sein Kinn und er sackt bewußtlos zusammen. Ich lehne ihn an einen Baum, wo die Wurzeln stark gewachsen sind und ihn nicht im Moor versinken lassen. Ich ziehe meine Hose aus und werfe das eine Ende zu meinem Feind, welche schon beinahe bis zu den Schultern versunken ist.
„Los, nimm dir das Ende, ich ziehe dich heraus!“ flüstere ich ruhig und freundlich.
„Damit du mich quälen kann und mich dann tötest?“ fragt er grimmig.
„Nein. Los nimm endlich das Ende.“ sage ich.
„Wieso tust du das?“ fragt er verwundert.
„Ich wünsche niemanden so einen qualvollen Tod.“ sage ich.
Er nimmt das Ende und während ich mich mit der rechtend Hand an einem starken Baum festhalte, ziehe ich ihn mit der linken Hand an der schönen schwarzen Hose heraus, welche jetzt durch seine schmutzigen Hände verdreckt wird. Als er schließlich mit einer Hand an einer starken Wurzel ist läßt er meine Hose los und ich reiche ihm meine Hand, ziehe ihn hoch.
„Danke!“ sagt er freundlich. „Lauf schnell weiter, bevor...“ er sieht zwei von seinen Männern die uns beobachten. Er greift reflexartig ein etwa 60 Zentimeter langes Seil und schlingt es um meine Hände.
Ich wollte meine Hände wegziehen, aber ein Ende hatte eine Schlaufe, die sich blitzschnell zusammenziehen läßt. Die Schlaufe zog sich wie in einer Bewegung um mein rechtes Handgelenk zu und dann wickelte er es eng um das linke Handgelenk.
Ich verstand, wenn er mich jetzt hätte laufen lassen, dann wäre er wohl aufgehängt oder weniger aufwendig ins Moor gestoßen worden.
„Komm mit!“ sagt er und leiser weiter mit offenem Ende „Bitte ...“
Aber er rutscht ab und ist sofort ein großes Stück verschlungen vom Moor.
„Hilfe, helft mir!“ schreit er. Aber die beiden machen nur große Augen und laufen plötzlich schreiend weg. Nun sieht er zu mir hoch und ich sage betrübt: „Mir sind sprichwörtlich die Hände gebunden, sorry.
Ich sehe um mich,weil es seltsam ist, daß die Beiden schreiend weggelaufen sind und bemerke eine in Fellen und einer gräßlichen fratzenartigen Maske Person, die etwas schwächlich wirkt ... vielleicht eine Frau.
„Bitte helf ihm, schnell!“ sage ich zu der Person, die noch kein Wort sagte.
Eine Pause.
„Hast du keine Angst vor mir?“ sagt eine Stimme, die versucht tief und wie eine Monsterstimme zu klingen.
„Auch wenn du mit deiner Maskerade erschreckend wirkst und häßlich bist, glaube ich doch daß sie einen Mensch verhüllt. Bitte helfe ihm schnell!“ antworte ich.
„Wieso willst du ihm helfen, obwohl er dich ausliefern will? Er ist dein Feind.“ fragt die Stimme.
„Er ist nicht mein Feind, sondern nur jemand der gezwungen wird mich zu fangen. Bitte mach schnell! Er ist fast ganz versunken.“
Seine Arme rundern leicht nach oben gestreckt, sein Kinn berührt den feuchten Tod.
„Wieso gezwungen, er doch ...“ beginnt sie.
Ich schließe meine Augen und Tränen perlen heraus. „Bitte, hilf oder ich verachte dich!“ flüstere ich. Dann fällt mir vielleicht eine Möglichkeit ein. Ich klemme meinen Fuß unter eine Wurzel wickele mein rechtes Bein um den Baum und strecke – meine Hände noch immer gut gefesselt – ihm mein linkes Bein langsam entgegen. Bis auf fünf Zentimeter komme ich heran, aber nicht mehr.
„Helfe ihm, helft ihm endlich!“ schreie ich so laut ich kann und weine vor Hilflosigkeit.
Plötzlich springt sie zu mir, hängt mir ein längeres Band um mein Hals und öffnet meine Fesseln blitzschnell läuft wieder zurück in die Richtung aus der sie kam. Ich knotete ihr Band um den Stamm und halte mich an diesem fest, als ich mich zu ihm hängen lasse. Nur alles ab seine Nase ist über dem Moor, selbst seine Arme sind nicht mehr zu sehn.
„Hol tief Luft, halte sie an und versuche deine Hand meiner entgegen zustrecken! Dann ziehe ich dich heraus!“ sagte ich zu ihm und er machte es fast im gleichen Moment. Sofort streckt er seine Hand in die Luft und ich packe sie schnell. Ich ziehe und es ist verdammt schwer, fast verzweife le ich und glaube, daß er qualvoll erstickt. Plötzlich packt eine Hand meine am Seil befindliche Hand.
„Los zieh, ich helfe euch.“ sagt eine weibliche Stimme, aber ich drehte mich trotzdem nicht um.
Ich strente mich so stark an wie es mir möglich war und dann kommt sein Kopf zum Vorschein. Er schnauft keuchend als sein Mund über dem feuchten Tod ragt.
„Danke, das vergesse ich euch nie!“ sagt er.
Schließlich greift er nach den Wurzeln und sagt: „Los, verschwindet schnell, bevor meine Leute kommen. Sonst muß ich meine Dankbarkeit vergessen, weil ich sonst gehängt werde. Bitte geht schnell!“
Ich gehe in die Richtung wo ich kam, aber dann flüstert er: „Nein, du mußt weiter ins Moor,sonst kriegen sie dich.“
Ins tiefere Moor blickend sehe ich wie die schauerliche Gestalt langsam immer weiter in die mir angewiesene Richtung geht. Ich folge ihr langsam und als sie sich umdreht sagt sie laut: „Was folgst du mir?“
„Das ist ist auch meine Fluchtrichtung. Sorry.“ sage ich.
„Was heißt dieses ´sorry`?“ fragt sie ärgerlich.
„Oh, das hätte ich wissen müssen. Sorry ist Englisch und heißt Entschuldigung.“ sage ich. „Also Entschuldigung, tut mir leid, aber ich muß die gleiche Richtung zur Flucht nehmen.“
„Dann geh vor mir!“ sagt sie fast im Befehlston und läßt mich an ihr vorbei ziehn.
Ich sehe nach rechts und links, gehe aber weiter geradeaus, weil mir dieser Weg sicherer scheint und dir Bäume dort näher zusammenstehen.
„Wieso lebst du denn eigentlich so abgeschieden? Halten dich die Leute für eine Hexe?“ frage ich sie.
„Ja, ich bin eine Hexe!“ sagt sie immer noch ärgerlich.
„Ich glaube nicht an Hexen, es sei denn Pflanzen- und Kräuterkunde, und sehr gute Kenntnisse in deren Heilkräfte und Anwendung ist Hexerei.“ sage ich leise und fuhr fort. „Viele Menschen sind einfach dumm, um nicht das Wissen darin zu nutzen und es als schlecht abzutun. Sehr traurig! Ich wünsche dir ein schönes und friedliches Leben! Tschüß!“ Ich laufe jetzt schnell in die sicher scheinende Richtung ... ohne mich noch einmal umzusehn.
„Warte, ich ...“ sagt sie, aber mehr höre ich nicht. Ich will sie nicht in Gefahr bringen, aber wenn ich ihren Behausung sehe und vielleicht gefoltert werde, was ist dann?
Nach einigen Stunden umherirrens im Moor, komme ich an eine Stelle die mir bekannt vorkommt und bleibe stehen. Mir ist nach einiger Zeit immer heißer geworden und das Atmen fällt mir auch immer schwerer. Langsam sacke ich zu boden, rutsche ab und kralle mich mit letzter Kraft an eine starke Wurzel.
Ich versinke langsam, aber die Achseln beider Arme liegen auf der Wurzel und verhindern so weiteres Rutschen.
Leise rufe ich: „Hilfe!“ aber so leise es ist kann mich wohl keiner hören.
Es wird dunkel und der Vollmond geht langsam auf, aber ich döse im Fieberwahn ein. Das Moor entzieht mir immer mehr Körperwärme. Plötzlich wache ich auf, der Mond steht vor meinen Augen ... daß heißt, ein Teil ist verdeckt von jemanden, dessen Schatten auf mich fällt.
„Weit bist du ja nicht gekommen!“ sagt eine weibliche Stimme - es ist sie. Sie reicht mir ihre Hand und ich nehme sie dankbar, langsam zieht sie während ich mich parallel mit der anderen von der Wurzel abstütze um sie entlasten zu können. Als ich an dem Baum geklammert stehe um nicht umzufallen sagt sie, als sie ihre Hand an meine Stirn legt: „Du hast sehr starkes Fieber! Hast du dich an Dornen gestochen oder gekratzt?“
„An dem See bin ich in ein Gebüsch gesprungen um mich zu verstecken. Da waren viele Dornen, überblendet von vielen weißen Blüten.“ sage ich leise und geschwächt.
„Ich weiß was es ist. Los komm mit.“ Sagt sie und stützt mich, immer den Boden im Blickfeld.
Nach einer weile frag ich: „Wieso bist du Nachts unterwegs? Kann man manche Pflanzen nur tief in der Nacht pflücken,damit sie ihre Wirkung nicht verlieren oder sowas ähnliches?“
„Ja, das stimmt. Der Saft von den Pflanzen verliert schnell seine Kraft, wenn Sonnenlicht auf sie scheint.“ sagt sie freundlich. „Du kennst dich ja gar nicht malso schlecht aus.Vielleicht wirst du ja mal ein großer Hexer!“ sie lachte leise und das freute mich.
Ich dachte im Stillen nach. In der Werbung wird die Milch im Tetra-Pack immer damit angepriesen, daß deren Nährstoffe nicht verloren gehen würden, weil die Pappe das Sonnenlicht von der Milch abhalten. Vielleicht ist es hier ja der gleiche Grund.
Wir gingen über eine schwach wirkende Brücke, einen schmalen Pfad durch hochgewachsenes Schilfgras hindurch und dann war saftiggrünes Gras zu sehen ... schließlich war eine verkommene Hütte zu sehn. Es hing eine leuchtende Laterne an einem Haken und bevor wir hinein gingen, löschte sie diese. Wahrscheinlich war es eine kleine Hilfe für sie um bei Dunkelheit schneller ihre Behausung finden zu können. Drinnen war es dunkel, als sie mich in einer Ecke hinunterlies ... dort war es sehr weich. Ich war müde und lehnte mich erschöpft zurück.
Sie zündet eine Kerze an.
„So, jetzt hol ich Wasser und du ziehst dich aus.“ sagt sie und ging in den Raum nebenan. Mir ist etwas unwohl mich nackt vor einer Frau zu zeigen, aber dennoch tue ich es.
Sie kommt zu mir und nimmt die dreckigen Sachen ohne mich anzusehen, was es mir irgendwie leichter macht mich zu entspannen; wieder geht sie in den anderen Raum.
Etwas sprudelt und blubbert nebenan und ich frage mich was sie dort tut. Ich gehe in dem Raum umher und sehe mir die Sachen an, soweit es bei dem fast vollkommen dunklen möglich ist.
„Kommst du jetzt?“ fragt sie, aber es ist eher als bittende Anweisung zu verstehen und ich versuche aufzustehen, aber ich falle flach auf den Bauch. Sie mag es wohl gehört haben wie es scheint, denn sie kommt wenige Augenblicke zu mir.
„Na mein kleiner verweichlichter Held?“ sagte sie lachend und hilft mir hoch, daß heißt sie versucht es – meine Muskeln versagen immer mehr und ich kann sie nicht weiter entlasten.
„Ich würde gernnn....“ das sprechen fällt mir immer schwerer. „...heeeeeellffnn, ich...“ ich erschrecke über meine Machtlosigkeit ihr zu helfen, die Last zu vermindern. Mir rinnen Tränen über mein Gesicht und leise zu wimmern, ich habe große Angst. Jedes Wort ist fast unmöglich zu verstehen. „Angst!“ kann ich nur noch einmal klar ausstoßen und sehe angestrengt zu ihr hoch. „Heeee...heee...eeee...“ ich verzweifele und sie sieht es. Sie geht in den anderen Raum und holt eine Schale mit Wasser, welches nach stark Kräutern riecht. Sie taucht ein Lappen hinein, wringt es leicht aus und wischt über meine glühend heiße Haut. Es kühlt, obwohl es sehr warm sein muß, denn aus der Schale Dampf nach oben steigt. Sie wischte meinen Rücken gründlich ab und taucht es erneut in den Kräutersut. Sie wringt wieder leicht aus und wischt den Hals entlang, um danach die Beine abzuwischen. Sie dreht mich vorsichtig um und ich komme auf eine weichen Unterlage. Sie wischt erneut über die Beine, diesmal über die andere Seite. Dann einmal kurz über mein Glied, was ich aber, jetzt in wie in Trance weggetreten, unbemerkt hinnehme.
Der dritte Tag
Du wischt meinen Oberkörper und zuletzt den Kopf ... und ich erwache langsam aus der Starre der Trance auf. Mein Kopf liegt auf ihren Oberschenkel, welche auf ihren Unterschenkeln liegen ... sie sitzt auf ihren Beinen. Es ist hell draußen und ich schrecke hoch.
„Du warst ja ganz schön weggetreten!“ flüstert sie leicht grinsend. „Wenn es nach den Gerüchten über Hexen wie mich stimmt, hätte ich dich, hilflos wie du warst, einem schwarzen Fürsten opfern können.“ sagt sie milde lächelnd und gähnt. Sie steht auf, zieht sich aus und legt sich vollkommen nackt auf´s Bett ... sie zieht sich die Decke über ihren Körper.
Ich sehe an mir runter und mein Glied ist erregt, aber das sollte ich nicht ausnutzen. Ich gehe in den anderen Raum und suche meine Kleidung zusammen. Sie ist in einem großen Holzeimer mit Wasser. Ich nehme es, wringe es sehr stark aus und gehe nach draußen. Ich sehe eine Bank auf der Rückseite der Hütte ... sie hat eine Rückenlehne und ich lege meine Kleidung darüber zum trocknen.
Dann lege ich mich ins saftiggrüne knöchelhohe Grass und sehe in den blauen Himmel. Langsam döse ich ein und schlafe fest. Bis ich bei plötzlichem Geschrei aufwache.
„Laßt mich los! Hilfe!“ schreit die vermeitliche Hexe. Ich laufe in die Richtung des Geschreies und sehe fünf Männer. Jeder hat ein Arm oder ein Bein, nur einer liegt zwischen ihren Schenkeln ... sie haben sie nackt aus dem Bett geholt – ich laufe so schnell ich kann dort hin.
„Laßt meine Frau los, aber sofort!“ schreie ich.
Alle werden ruhig und selbst die Hexe sieht mich an, sie lächelt mild ... kaum sichtbar. Erst jetzt fällt mir ein ... ich bin auch nackt und glaube rot zu werden.
„Laßt sie sofort los, oder ihr lernt mich kennen!“ drohe ich erneut. Als sie keine Mühe zeigen sich von ihr weg zubewegen, lockere ich meine Arme mit langsamen Taichibewegungen ... ich gehe auf sie zu und einer steht auf. Sie sehen eher gebannt und fasziniert ... als gewarnt auf mich und betrachten mich nur ... seltsam verschmitzt grinsend.
Als einer zwei Schritte auf mich zu geht, da trete ich blitzschnell eine Handbreit über die Kniescheibe seines vorderen Standbeines kurz bevor er sein hinteres - fast vollständig vom eigenem Körpergewicht entlastet - nachziehen will und er fällt hart auf den Boden.
„Geht sofort weg von ihr!“ schreie ich. „Noch könnt ihr ohne Schaden gehen!“
Sie gucken nur blöd, fangen an mich zu umkreisen ... aber eher frei von jeglichen Vernunftdenken und eigener Entscheidung.
„Ihr seid dumm!“ sagt die Hexe leise und der auf ihr liegt schlägt ihr ins Gesicht, worauf sie keucht und mit blutiger Lippe in sein Gesicht spuckt. „Wenn ihr meinen Mann kennenlernt, dann ist es das Letzte, was ihr mit ins Grab nimmt!“ spricht sie weiter.
Ich renne auf sie zu trete sie alle beiseite und ziehe sie zu mir hoch. Kurz darauf schmiegt sie sich an meinen Rücken und ihre süßen Brüste liebkosen ihn mit Weichheit, Wärme und Zärtlichkeit.
„Verschwindet sofort!“ schreie ich und will auf sie zurennen, ja ich bin so wütend ... ich will nicht wissen wozu ich fähig wäre, aber zwei liebevolle Hände halten mich umarmt fest.
„So lauft doch schnell weg, bevor ich ihn nicht mehr festhalten kann!“ schreit sie und tut so als würde sie an mir herumreißen, weil ich ein wildes Tier wäre ... erst jetzt laufen sie davon.
Es war wie ein Spiel in manchen Filmen. Der eine tut so als würde er ausrasten und sich nicht mehr unter Kontrolle halten können, obwohl dieser oft vielleicht sogar Angst hätte, aber mit der Person im Hintergrund, welche ihn festhält, hat er so viel Mut wie es brauchte um keine Furcht zu zeigen.
Ich setzte mich, als sie nicht mehr zu sehen sind, wenig später ins Gras.
„Wieso hast du gelogen?“ fragt sie und setzt sich neben mich.
„Was meinst du?“ frage ich zurück.
„Du sagtest meine Frau.“ sagt sie.
„Ich hatte Angst um dich und dachte, daß sie vielleicht gehen würden, wenn ich dein Mann wäre. Aber es hat ja nicht wirklich geholfen, und du hast ja auch gelogen.“ sage ich leise und lache mit einem kleinen Schmunzeln. „Ich bin froh, daß es dir gut geht.“
„Ja ich auch, paar Sekunden später und er wäre in mir gewesen.“ flüstert sie.
Ich drehe mich zu ihr und sehe in ihr Gesicht, es ist geschwollen. „Laß uns rein gehen und deine Wunde kühlen, bevor du häßlich wirst.“ Ich stehe auf und reiche ihr dir Hand, aber sehe von ihr weg – sie ist ja immer noch nackt. Sie nimmt langsam und zärtlich meine Hand, zieht sich hoch.
„Und als erstes ziehen wir uns etwas an, sonst werde ich ...“ sagte ich und stockte plötzlich ... sie schmiegte sich mit ihrer nackten Haut an mich. Ich sah in ihr Gesicht und durch meine Größe auch an ihr herunter.
„... aufdringlich?“ fragte sie lächelnd.
Wir gingen auf die Tür der Hütte zu die aufstand.
„Da gibt es etwas, was du nicht von mir weißt und daß ...“ begann ich, aber sie verbat mit den Fingern ihrer rechten Hand auf meinen Lippen jedes weitere Wort.
„Bitte sag nichts!“ sagte sie und zog mich in die Hütte hinein. „Setz dich bitte auf´s Bett, ich hole eben etwas mit dem du meine Wunde behandeln kannst.“ und sie verschwand auch gleich in der Küche. Ich hänge mir ein Tuch um und knote es an der Seite fest, danach setze ich mich.
Sie kommt aus der Küche und ich sehe nervös zur Seite, immer noch hüllenlos kommt sie zu mir. „Hiermit wäscht du mir die geschwollene Haut im Gesicht, aber passe auf daß nichts in die Augen kommt. Das Gebräu ist ziemlich aggressiv und brennt an den Schleimhauten.“ sagte sie und legt sich auf den Rücken, sie schließt ihre Augen. „Fange bitte an.“ flüstert sie und legt eine Hand an mein Bein. Ich nahm den kleinen Lappen aus der Schale und wringe es aus.
„Wieso bist du mir zur Hilfe geeilt, sie waren doch in der Überzahl?“ fragt sie.
Ich sitze neben ihr am Bett zu ihrem Gesicht gedreht. Sie hat ein wunderschönes Gesicht und denke nach. Vorsichtig wische ich mit dem Lappen über ihr Gesicht, besonders über die Schwellung.
„Ich mag nicht wenn jemand leidet.“ sage ich und tauche den Lappen in den Kräutersut, ein kurzer Blick sieht ihre schönen Brüste und ich zwinge mich nicht weiter runter zusehn. „Vielleicht habe ich dich ...“ sie öffnet ihre Augen, während ich den Lappen auswringe. „... ja auch ganz gern. Außerdem hast du mir ja auch geholfen und das Leben gerettet.“
„Aber es waren fünf Männer! Du hättest vielleicht sterben können!“ sagt sie.
Ich drehe leicht meinen Kopf, sehe an ihrem Gesicht vorbei und sehe dann in die entgegen gesetzte Richtung von ihr, immer noch den Lappen in der Hand. „Was ist das Leben, wenn man nicht das beschützt was einem wichtig ist?“ flüstere ich. „Was ist es dann noch Wert? Ein Leben ohne Freunde für die man einsteht ... ihnen hilft und unterstützt.“ Ich stehe auf und rede weiter, während ich durch das kleine Fenster nach draußen sehe: „Was schenkt einem noch Freunde, wenn man sich der Angst vor dem drohendem Hass anderer ergibt? Körperliche Schmerzen kann man heilen, aber nicht den Verlust von jemanden, den man gern hat oder liebt nicht, jedenfalls nie ganz, weil man nie vergißt ... niemals ganz überwindet.“
Wenn ich wieder in meiner Zeit bin, dann werde ich vermissen und nie wieder sehn, selbst die Bilder in der Erinnerung werden allmählich verblassen. Und irgendwann ist nur noch die Erinnerung an den Namen oder die kleinen Ereignisse; an den Gedanken werde ich wehmütig und traurig. Im Stillen rinnt eine einzelne Träne über die Wange. Plötzlich steht sie neben mir und als ihr Finger über die Bahn der Träne fährt, zucke ich und drehe mich zu ihr.
„Wieso bist du so betrübt?“ fragt sie. „Bist du nicht glücklich?“
„Ich weiß es nicht! Es gibt etwas was du nicht weißt, aber sehr wichtig ist ... jedenfalls für mich.“ beginne ich. „Und je mehr ich daran denke, desto trauriger ...“
Sie stellt sich vor mich und umarmt meinen Körper. Ihre samtweicher Busen drückt sich schmeichelnd an meine Brust. „Sei nicht traurig, jedenfalls jetzt.“ sagt sie. „Bitte laß uns träumen von einer gemeinsamen Zukunft und nicht von endgültiger Trennung.“
Sie drückt mich langsam zum Bett hin ... eng umschlungen fallen wir, abgefangen durch meine stützenden Hände, auf´s weiche Bett ... bedeckt von vielen weichen Fellen.
Etwas nahm mir den Mut etwas zu sagen oder mich zu ´wehren`. Ihre Wange strich über meine, ihre Lippen am Hals unterhalb meines Ohres hinunter nahe dem Adamsapfel. Ihre Haut war in bezug auf die Temperatur der Hütte und so weich. Sie liegt auf mir, streicht mit ihren Füßen an meinen und es kitzelt.
Meine Hände bewegen sich wie von selbst zu ihrer waren pulsierenden Haut und legen sich an den schönen Rundungen ihres Beckens bzw. süßen Po, ich streiche kreisend und fühle unendliche Nähe zwischen uns, ohne daß ich weiß wie sie heißt.
„Sag mir deinen Namen, bitte ...“ flüstere ich zu ihr ins Ohr und schmiege mich an sie, meine rechte Hand streicht langsam ihrer zarten Wirbelsäule hinauf.
„Carismina ... und du?“ flüsterte sie leise.
Seltsamer Name, aber wohl normal zu dieser Zeit. „Mein Name ist Martin.“
[schreibe ich mit der Zeit weiter...]
