Ich fotografiere sehr gern und kam ich auf die Idee meine noch nicht ausgereiften Dienste der Fotografie anzubieten. Damit käme ich vielleicht auch einmal zu menschlichen Modellen, deren komplexe Körpern ich mit der Linse einfangen und auf Grund beiderseitigen Freiwilligkeit viel experimentieren. Da es ja auf freiwillig ist, dachte ich, daß dabei auch kein Herzklopfen eines Voyeurs da sein würde ... und so sah dann die Anzeige mit folgendem Text aus:
Hobbyfotograf sucht Modelle um die eigene Art zu fotografieren verfeinern und verbessern zu können. Bezahlung ist nicht möglich, aber die Bilder werden in digitaler Form auf CD gebrannt dem Modell übergeben. Bitte um Rückruf unter 32 16 8
Nach etwa einer Woche meldeten sich tatsächlich vier Leute, je zwei Frauen bzw. zwei Männer. Ich gab ihnen Termine über zwei Tage verteilt und jeweils einmal vor- und Nachmittag.
Nach den ersten zwei Aufnahme-Sessions waren dann die zwei Männer auch schon ganz weg. Ich weiß nicht, ob es daran lag, daß ich hetero bin und somit nicht ganz neutral bin, was ich vielleicht unterbewußt gezeigt habe oder es was anderes war. Die Bilder fanden sie jedenfalls nicht so toll, allerdings bin ich ein Mann und weiß nicht so was an einem gut aussieht. Richtig, manche Frau würde sagen ... ein Knackarsch ist immer was schönes, aber das würde ich beim Mann nie versuchen, sonst komme ich mir schwul vor und würde wohl im Gesicht aussehen, wie jemand, der zu lange in der Sonne war und einen Sonnenstich hat ... eben einen knallroten Kopf.
Bei den Frauen war es anders und sie zeigten sich, lächelten mich an und so machte es mir auch besonders viel Spaß ... auch wenn die ersten Bilder nicht so gut waren wie sie sagten, doch hatten sie viel Spaß. Maria und Tina hießen die beiden, welche sich immer öfter anmeldeten, was mich sehr freute. Bis dahin hatte ich keine Aktfotografien mit ihnen gemacht und wollte es auch lieber nicht, nein, das wäre mir zu peinlich dachte ich und würde mich wohl mit hochrotem Kopf hinter der Kamera verstecken, bis zu dem Moment, bis sie meine Wohnung verließen. Wäre das nicht etwas verdächtig? Am Ende wächst mir noch was.
Dann kam aber doch die Frage von Tina zuerst, im Beisein von Maria: „Ich würde gern Aktfotografien machen, hast du ein Problem damit?“
„Ich, äh...“ ich mußte mich räuspern und beide grinsten schon breit, während Tina drei Fotos auf den Tisch legte, welcher zwischen uns stand.
Tina erklärte ihr Problem: „Ich habe mich bei einer Model-Agentur beworben und diese drei Bilder fanden sie besonders gut, allerdings würden sie es sehr gerne haben, wenn sie mehr nackte Haut sehen könnten.“
„Mir ist nicht wohl bei der Sache.“ sagte ich fast lautlos - während ich Luft holte - und fühlte einen kalten Schauer über den Rücken fegen. „Kann das nicht Maria vielleicht machen? Ich würde wahrscheinlich noch roter im Gesicht werden als jetzt schon und ...“ Sie lachten beide und ich guckte nervös zur Seite um aus den Fenster zu sehen, den Blick auf etwas fixieren, was mich ablenken und beruhigen könnte.
„Du hast aber bisher die Fotos gemacht und Maria hat keine Ahnung von Fotografie, worauf man achten muß und so weiter.“ sagte Tina.
„Stimmt.“ fuhr Maria fort. „Mach du das lieber!“
Ich drehte mich wieder zu ihnen um. „Hast du irgend einen Schrieb von der Agentur?“ fragte ich und wollte Beweise für ihre Worte, welche sie dann auch sofort auf den Tisch legte. Ich flüsterte zu mir: „Verdammt Scheiße.“ Denn so ein Schrieb würde sie nicht als Lügnerin ausweisen und sie würde somit vermutlich darauf bestehen.
Ich habe noch nicht alle wichtigen Infos erfaßt, da sagt Tina: „Bis übermorgen muß ich diese Bilder gemacht haben und Maria kann sich das Wissen so schnell bestimmt nicht aneignen, oder?“
„Ich glaube nicht.“ stimmte ich ihr mißmutig zu. Scheiße, so eine Scheiße dachte ich nur und ertappe mich schon, wie ich in jener noch fiktiven Situation schon ihre Mu**hi vor´s Gesicht kriege und mir was wächst. Das wird peinlich!
„Machst du es jetzt oder nicht?“ fragt Tina. „Du würdest dann sogar als freischaffender Fotograf für die Agentur arbeiten können, weil die Fotos [sie hielt die drei Fotos hoch] finden sie wirklich gut!“
„Die wollen mir wirklich Arbeit anbieten?“ fragte ich. „Und ich muß dich dabei nur mal eben nackt fotografieren?“ Ich betonte es zynisch, weil mich die Unsicherheit noch mehr zu erfassen schien und guckte starr an einen Punkt an der Wand, wirkte schon fast abwesend.
„Sie dir den Jens an, der wirkt jetzt ja als wäre er zur Salzsäule erstarrt.“ sagte Maria und Tina lachte.
„Armer Jens.“ sagte Tina und sie bewegte sich außerhalb meines Blickfeldes, der weiter starr an die Wand starrt. „Wenn er, wenn ich Bescheid gebe nicht kommt, dann geb ihn eine kleine Ohrfeige, ok?“
Ich sehe Maria wie sie nickt und dann „Ist klar“ sagt, während sie mich mit einem breiten Grinsen anguckt.
„So weit wollte ich nie gehen.“ flüstere ich und stehe auf. „Das mache ich nicht.“ Ich drehe mich zur Wand, auf deren Seite Tina nicht steht und mir nicht nackt vor die Nase kommt, während ich mich langsam zur Haustür gehe.
„Hey, bleib hier!“ sagt Maria laut und nimmt meine rechte Hand, versucht mich festzuhalten.
„Nein, das mache ich nicht, niemals!“ sage ich und schüttele den Kopf wie ein Roboter, der eine Aufgabe nicht lösen kann und wie ein Breakdancer gleich in zwei – im 90-Grad-Winkel angeodneten – vor sich aufgebauten Holoschirmen von einem zum anderen guckt und wieder umgekehrt, während ich mich weiter zu meinem EXIT aus dieser Situation kämpfe.
„Hey Tina, er will abhauen!“ schreit Maria fast und will sich auf den Boden setzen um sich schwerer zu machen, doch ich schleife sie mit mir hinterher.
„Mensch Jens, was ist denn los?“ fragt Tina und stellt sich vor mich hin ... nackt.
Ich mache meine Augen zu und zerre Maria hinter mir her auf den Weg zur Haustür. „Wieso suchst du dir denn keinen anderen Fotografen? Jeder andere ist besser als ich, und ganz bestimmt nicht so verklemmt ...!“ sage ich immer mehr im Flüsterton, wenn es auch recht laut ist, die Schwingungen der eigentlichen Stimme – mit der man mich problemlos erkennen kann – sind stark vermindert.
„Wir wissen doch, daß du arbeitslos bist und ich habe darauf bestanden, daß du mein Fotograf wirst ... du oder keiner.“ sagte Tina. „Nimm das doch als Chance für dein Leben, Mensch!“
„Wieso ausgerechnet ich?“ frage ich noch einmal ungläubig. „Wenn ich das gewußt hätte, dann hätte ich nie die Anzeige aufgegeben ... ich ... niemals ... nein ...“ Ich zitterte plötzlich am ganzen Körper und dann hielt Tina meine andere Hand. Nein, ich kämpfte weiter, aber mein Pulsschlag war dermaßen erhöht, wie ich es noch nie gefühlt hatte und schüttelte mich wie im Schüttelfrost, den man manchmal vor dem kommenden Fieber hat. Mein ganzer Körper verkrampfte immer mehr.
„Halte ihn fest Maria!“ schrie Tina und dann umarmte sie mich unvermittelt. „Beruhige dich doch.“ Ich beruhigte mich überhaupt nicht, sondern verlor jegliche Kraft zu stehen und sank leicht nach vorne gebeugt zu Boden. Mein Kopf legte sich auf Tinas Schulter, strich dann weiter über ihren rechten Busen und dann verhinderten beide, daß ich ganz zu Boden sank ... doch wieso mußte ihr Busen die ganze Zeit an meine linke Wange gedrückt werden? Schrecklich peinlich, besonders wenn jetzt jemand sagen: 'Vorsicht, versteckte Kamera!' , doch das sagte niemand.
„Was mach ihr mit mir?“ frage ich und werde auf´s Bett gelegt, wo immer die Fotos gemacht wurden. „Ich will das ni...“
Tina gab mir einen Kuß, welcher mich zum Schweigen und zur Besinnung bringen sollte. Ich wollte die Worte zu ende führen, aber ihre Zunge raubte jegliches weitere Wort von meiner Zunge. Ich riß meine Augen verkrampft auf und sie sah mit einem zum Lächeln geformten Gesicht in meine Augen.
Meine Zunge wich ihrer zurück, doch veränderte sich etwas in mir ... die Verspannung im Körper löste sich, auch das Schütteln verschwand langsam, ebenso wich die Kälte dem Gefühl von allmählich brennender Wärme. Ich erinnerte mich, wie ich die Kontaktanzeigen gelesen aber nie den Mut gehabt hatte anzurufen, und mir so eine der wenigen Chancen im Leben verwehrt eine Freundin zu finden. Doch was war das hier jetzt? War es mehr als nur das eine, was sich vielleicht daraus entwickeln könnte? Sie war schön, kann sich durchsetzen und auch sonst hatte sie anbetungswürdige Charakterzüge ... natürlich auch ein schönes Lächeln, aber ... war es mehr?
Vor dieser Art von Situation habe ich mich immer am meisten gefürchtet. Eine Frau berühren! Ich schloß meine Augen und dann – sie lag eher seitlich neben mir – hoben sich meine Hände und legten sich auf ihren Rücken, streichelten ihn langsam der Wirbelsäule entlang und versuchte ihrem Kuß zu erwidern. Ich habe noch niemanden ernsthaft auf den Mund geküßt, schon gar nicht mit Zunge.
„Oh, das sieht ja langsam nach mehr aus.“ sagte Maria und lachte leise, während sie sich erlaubte den Fotoapparat zu nehmen. Sie nahm den Schutz von der Linse herunter und fängt an Fotos zu machen ... von uns zwei Liebenden.
