Ich war mit Freunden in St.Pauli und wollten paar Mietzen aufreißen, wie meine Freunde sagten. Schließlich gingen sie in einen dieser „Läden“, die ihre Begierde nach Sex stillen sollte. Ich blockte jeden ihrer Versuche mich in eines dieser Einrichtungen zu zerren ab und verabschiedete mich am späten Abend.
Langsam wurde es dunkel und der Mond ging so allmählich auf, doch kalt war es nicht in dieser kommenden Nacht. Ohne Ziel schlenderte ich durch die Straßen und sah in so manches Schaufenster, welche die Begierde nach Sex steigern sollte ... die Erregung steigern. Als ich dann an einer kleinen Öffnung an einem über zwei Meter hohem Lattenzaun vorbeigehen wollte, da fiel ein schwaches Licht auf welches auf eine Leinwand strahlte, vor der eine Person stand und so posieren schien.
Nach kurzem Beobachten bemerkte ich, daß es eine Frau athletischer Figur war und etwas erzählte, was ich aber nicht verstand. Ich kletterte durch die Öffnung des Bretterzauns und setzte mich gelehnt an diesen auf den Boden.
„Die Männer...“ sagte sie. „... glauben sich alles nehemen zu dürfen, auch uns Frauen. Selbst wenn sie nicht wollen. Sie locken uns mit dem Versprechen eines besseren Lebens in den reichen Westen, aber dann bringen sie uns in die Prostition, damit wir Frauen sie über unseren Körper reich zu machen.“
Ich hörte ihr zu und hoffte dennoch, daß ich unbemerkt bleiben würde. Alles was sie sagte war wahr und nach einer Weile bemerkte ich, daß es wie ein Schattentheater war, denn die schwachen Lichtstrahler warfen ihr Licht gegen die Leinwand.
„Sie nehmen uns, verbrauchen mit jedem gekauften Sex unsere Körper, welcher unter ihrer Gier und Grobheit blaue Flecke bekommt.“ erzählte sie und sah mich dann, als sie etwas entdeckt zu haben schien und ihre Hand schützend vor die Augen hob. „Ja, manchmal beobachten sie uns sogar aus der Ferne und hören zu. Egal, ob es das Stöhnen unter dem Zustand des Sex ist, oder einfach nur das Erzählen unser Erlebnisse.“
Sie hatte mich also entdeckt und ich wurde nervös, also wollte ich gerade aufrichten und aufstehen, damit ich schnell durch die kleine Öffnung verschwinden würde.
„Sie haben nicht mal den Mumm zu einer Diskussion mit einer Frau, es sei denn daß sie auf sie einschlagen.“ sagte sie und ich fühlte mich provoziert ... herausgefordert – ich drehte mich zu ihr um und beobachtete sie einen Moment, wobei ich stehenblieb. Ihre nächsten Worte würden den Ausschlag geben, ob ich hier bliebe oder nicht. „Frauen sind oft vernünftiger als Männer und versuchten mit Worten zu überzeugen, aber Männer ... sie scheinen aus dem Neanderthal zu kommen und nur das Faustrecht zu kennen. Sie wollen immer dominant sein, eben sagen wo es lang geht. Oder ist es nicht so? ... du Unscheinbarer Voyeur unseres Treffs?“
Langsam ging ich auf die kleine Bühne zu und mir wurde von Meter zu Meter unwohler ... schließlich betrat ich sie ... die Bühne. „Oh, er kommt aus seinem Versteck? Dann bekommen wir also die Diskussion mit der Gegenseite?“ fragte sie und lachte hörbar aggressiv und reißerisch.
„Ich spreche für keine Seite, ob für die männliche oder weibliche Seite ... ich spreche nur für mich und was ich glaube.“ begann ich fühlte gewisse Attraktivität an ihr. „Wobei letzteres ebenso falsch sein kann, wie das meiste aus den Mündern.“
„Oh, deine Worte klingen ...“ sagte sie und sah mich leicht erstaunt(?) an. „... als kann man dir einiges abnehmen, als sei es wahr. Was hast du uns denn zu erzählen?“
„Als erstes: Du hast vieles erzählt, wo ich deine Meinung teile, doch sehe ich mich nicht als einer dieser Neanderthaler. Und doch ... es schmerzt mich, weil ich es über Medien oder andere mit dem Gehör bzw Auge wahrnehme ... aber weiß ich nicht, wie man es ändern nachhaltig kann. Vielleicht habe ich auch einfach nur Angst.“ sagte ich. „Andererseits glaube ich, daß der Wunsch nach Dominanz nicht speziell beim Mann ist, sondern ebenso auch bei der Frau. Nur der Mann ist auf Grund seiner Statur meist der Stärkere ... also der körperliche Dominante. In verbaler oder geistiger Hinsicht glaube ich aber, daß die Frauen den Männern meist überlegen sind ... beziehungsweise wenn der Mann nicht mit Gewalt droht und sie damit zum Schweigen gebracht werden.“
„Der Mann droht mit Gewalt, ist das gerecht?“ fragt sie.
„Ich lehne Gewalt ab, ist damit deine Frage beantwortet?“ frage ich und sah sie an.
„Aber wie kriegst du die Frau dann rum?“ fragt sie auf einmal und alle lachen.
Ich sehe zu Boden und dann zur Leinwand, an die ich mich näher heranstelle. „Darüber habe ich mir ehrlich noch keine Gedanken gemacht. Vielleicht habe ich einfach zu viel Schiß, oder ist es der Respekt vor der Frau? Keine Ahnung.“ sprach ich meine Vermutung aus. „Jedenfalls bin ich kein Freund von Grobheit, welche du Männern anlastest. Ich denke, du hast es selbst oft erfahren, und dein gehässiges Lachen zeigt mir den Haß, den du gegenüber vielen Männern hast und ebenso den unbekannten – die nichts von dir wollen – entgegenschleuderst.“ Ich machte mich wieder auf den Weg zu der Öffnung im Lattenzaun.
„Du hast nicht Unrecht, das gebe ich zu.“ begann sie. „Darf ich dir meine blauen Flecke zeigen?“
„Häh?“ Ich blieb stehen und dachte nach. Was will sie jetzt?
„Es sind die Taten von Männern, Männer, die sind wie du!“ rief sie mir nach.
„Ich bin keiner deiner Freier, mit denen du dich einläßt.“ sagte ich und hatte auf einmal ein schlechtes Gewissen. Ich tat sie als Prostituierte ab, aber wenn sie gezwungen worden war, dann hatte ich kein Recht so über sie zu reden. „Entschuldige, daß ich das gesagt habe. Ich sollte besser gehen ...“
„Bitte bleib!“ rief sie. „Ich möchte dir die blauen Flecke zeigen.“
Langsam drehte ich mich um und ging tatsächlich zurück. „Dann darf ich wieder gehen, ohne daß du mich erneut bittest irgendetwas zu tun?“
„Wenn mein Leben nicht in Gefahr kommen sollte, dann werde ich Tschüß sagen und du gehst deiner Wege ... wo immer du hin willst.“ sagte sie und irgendwie hatte es einen inhaltlichen Nachhall. Es klang etwas nach, was aber nicht der ihrer ausgesprochenen Worte war, sondern eher dessen Inhalt ... die Bedeutung ihrer Worte. Wie sagen manche? Man muß zwischen den Zeilen lesen, damit man alles verstehen kann.
Ich stellte mich einen Meter vor sie und dann streifte sie sich die Hose herunter. „Mußt du denn gleich einen Stripp machen?“ fragte ich leise und wurde nervöser, aber schon sah ich zwei Flecke an ihren Oberschenkeln und Wut über den brutalen Täter erfaßte mich im Innern.
„Die Stellen sind eben dort, wo man sie in der Öffentlichkeit nicht ohne Scham zeigen kann.“ sagte sie leise und zog sich dann ihr Pullover aus.
Die ersten blauen Flecke an ihren Armen zeigten sich und ich trat ganz nahe an sie heran. „Bitte ziehe dich nicht weiter aus, hör auf.“ bat ich sie leise und taste vorsichtig einen der blauen Flecke an ihrem Unterarm.
„Er möchte, daß ich ihm nicht mehr der Grobheiten seinesgleichen zeige, was mein ihr.“ fragte sie in die Menge, aber guckte an die Stelle, die ich sanft berührte. „Was ist mit dir?“ fragte sie ganz leise, sah mir schließlich ins Gesicht.
Die Menge gröhlt: „Wir wollen, daß er es sieht.“
Leise flüstert sie: „Schließ deine Augen, wenn es dich stört, daß ich mich weiter ausziehe, aber drehe deinen Kopf nicht weg.“ Laut rief sie dann: „Also gut, ich zeige ihm mehr!“ Ich schloß meine Augen und zwang mich nicht von ihr abzuwenden.
Sie ging einen Schritt zurück und zog sich weiter das wenige aus, was ihre Haut noch bedeckt hatte und die Masse von – vermutlich – nur Frauen begann zu gröhlen. Ich fühlte mich so unsicher und beobachtet. Fast wollte ich den Kopf zur Seite drehen, aber hielt mich dann doch an ihren Rat bzw. Befehl ... doch öffnete ich dennoch gegen meinen Willen die Augen und sah Schreckliches. Immer noch war das Gröhlen der Masse als Einziges zu hören.
Gerade zog sie ihren Slip aus und krümmte ihren Rücken dabei kurz, als ich das grauenvolle Ausmaß der Verbrechen an ihrem Körper im Ganzen erfassen konnte. Ich stand, aber überwältigt vom Anblick der blauen Flecke und den blutverkrusteten Striemen von einem peitschenähnlichen Ding ... als ich das sah war ich dem Weinen nah. Was dachte ich in diesem Moment? Die Flucht war es nicht ... gerade als sie mich ansah, da rann schon die erste Träne über meine rechte Wange, welche nur die Ankündigung für weitere war ... viel mehr.
Plötzlich kniete ich mich hilflos vor sie hin, bei dem ich mich ihr näherte und umarmte sie krampfhaft. So plötzlich wie ich es getan hatte und schließlich meine rechte Seite des Kopfes auf ihren Bauch drückte – bei dem ich hilflos weinte – , genauso war das Gröhlen verstummt und es war auf einmal mucksmäuschen still. Sie war verwirrt von der Situation, aber wohl auch etwas gerührt, denn ihre rechte Hand legte sich auf meine Haare und strich langsam durch sie, während ich ihre linke Hand an meinem Hals – ovalkreis bewegend – fühlte.
„Wer bist du eigentlich wirklich.“ fragte sie leise, als ich merkte wie meine Tränen ihre Haut benetzte und langsam wurde ich nahezu lautlos in meinen leisen wimmernden Lauten des Weinens.
Mir wurde bewußt – oder jedenfalls fühlte ich mich so – , daß ich mich vor allen Leuten des Publikums lächerlich gemacht hatte und dann ließ ich sie langsam los. „Ich bin niemand.“ sagte ich und rieb mir die Augen trocken, als ich aufstand. Es war so ruhig, als wäre ich alleine mit ihr auf der Bühne ... es war seltsam und beängstigend. „Ich gehe jetzt besser!“
Als ich mich in Richtung des Fluchtweges drehte, da nahm meine linke Hand: „Bitte bleib noch!“
Ich wollte nicht, doch sie hielt mich fest und mein Arm spannte sich wie ein Faden zwischen zwei Punkten. Ich drehte mich – wie ich glaubte – noch ein letztes Mal zu ihr um. „Wieso hast du geweint, als du mich nackt gesehen hast?“ fragte sie.
Ich sah sie schweigend an und dann bat sie leise: „Bitte sag´s mir.“
„Ich weiß nicht, es tat mir weh.“ begann ich und fuhr fort, was mich näher beschreiben könnte. „Ich hatte mal so um Mitternacht einen kleinen Fuchs überfahren, doch er lebte noch. Ich stieg erschrocken aus, hatte Herzrasen und setzte mich vor das arme Tier. Es war noch ein Jungtier ... sehr jung. Manche Kinder würden so etwas gerne zum Kuscheltier haben, doch ich habe es überfahren und ... ich weinte, streichelte es in meiner Hilflosigkeit es ungeschehen machen zu können. Es tat mir sehr weh, selbst Wochen danach hatte ich darüber geweint, wenn ich allein war.“
„Du bist so anders als die Männer, die ich hatte und mir das angetan haben.“ sagte sie leise, stellte sich vor mich, ließ meine linke Hand jetzt endlich los, dafür umarmte sie mich im ganzen ... ein schlechter Tausch dachte ich, denn so würde sie mich noch besser festhalten können und mußte fast darüber lachen, doch blieb ich still, wenn gleich mein Körper unruhig wurde. Sie fuhr etwas lauter fort. „Wieso bist du nur so?“ Sie streichelte sanft meinen Rücken und legte ihren Kopf auf meine Schulter.
„Ich weiß es nicht.“ flüsterte ich ihr ins Ohr, wollte eigentlich weg, doch dann auch wieder nicht ... seltsam dachte ich.
„Ich wüßte gern, wie du beim Sex bist.“ flüsterte sie mir ins Ohr und mein Körper zitterte ... ich glaubte langsam zu Boden zu sacken. Nein, ich muß hier schnell weg ... dachte ich und wollte meine Füße gegen den Boden stemmen, „einfach“ nur weg ... doch sie hielt mich.
„Laß mich weg ... bitte.“ sagte ich. „Du hast gesagt, du läßt mich gehen.“ Ich zitterte, als wäre ich vom Schüttelfrost erfaßt und ihre Hände strichen unter meinen Pullover, deren Wärme meinen Körper beruhigten, doch nicht meine Gedanken. „Lügnerin.“ flüsterte ich und mußte leise in meiner Hilflosigkeit lachen ... fühlte mich wie im Delirium.
